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Ein Land, das es nicht gibt

Das Unwort des Tages: Serpentinen. Eben jene schlängelten sich wie aus heiterem Himmel vor uns die Pyrenäen hinauf. Eben gerade sahen sie noch ganz weit entfernt aus. Komisch. Nix da mit “an der Küste an den Bergen vorbei.” Autofahrer und Rennradfahrer konnten sich nicht satt genug sehen an dem Anblick zweier voll bepackter, nicht in zu enge Sponsoring Anzüge gequetschter Ausländer, die sich mit starrem Blick prustend den Miniatur Seitenstreifen die Pyrenäen bergauf quälen.

Wacker gehalten haben wir uns. Der Geist ist stark, das Fleisch demnach auch. Eine “mind over matter” (Geist über Materie) Mentalität hat endlich mal was nützliches gebracht.

Schaut euch an, was genau es uns gebracht hat:

“Komm nur noch einmal eine dieser 90° Steigungen und wir müssten sie sehen.” Die nächste Ländergrenze unserer Weltreise. Wir sind aufgeregt. Nur 500 Meter aber keine Grenze in Sicht, sie versteckt sich hinter der Bergspitze. Treten, treten. treteeeeeeen… achja und atmen!

Oh… das ist aber nicht besonders feierlich :D Haha. Macht nichts. Soll das Zollhäuschen ruhig wie ein Klohäuschen anmuten und auch auf dieses ganze “beide Fahnen” Gehabe, wie an der deutsch-französischen Grenze können wir getrost verzichten… Uns interessiert nur eins: BERGAB!

Unten angekommen stellen wir mit erstaunen fest, dass der gleiche Berg auf der anderen Seite so unfassbar viel karger aussieht. Du liebes bisschen, ist das wirklich das Wetter? Kann man denn diese Seite nicht auch mit Wein bestellen? Nunja, mal sehen was unser zweites Ausland so zu bieten hat.

Unsere Französischkenntnisse packen wir in die Taschen, die brauchen wir später also noch mal. Diesmal haben wir auch dran gedacht uns noch zu bedanken: Kein endgültiger Abschied für Frankreich.. wir sehen uns demnächst wieder, auf dem Rundweg nach Italien und Co. Der Canal du Midi will immer noch bestritten werden :)

Letzte Bilder aus Frankreich:

Unsere liebe Nelly, bei der wir in Deutschland röhköstlich verköstigt wurden (siehe ”Oh hör nicht auf”) hat uns den zweite Wahl Obst Fragesatz ja auch noch auf espagnol aufgeschrieben. Tausend Dank!

Was uns begrüßt sind kleine Orte die so viel unglänzender sind, als jene hinter den Bergen in Frankreich. Ferienwohnungen, die nun unbewohnt sind. Rollos, geschlossene Fensterläden und geschlossene Geschäfte wo man hinsieht. Kleine Geisterstädte, wo nur noch riesige Informationstafeln, etliche Touristenangebote und lange leere Strände an das erinnern, was hier vor wahrscheinlich wenigen Tagen noch los war.

Es ist aber nicht idyllisch… Wir treffen eine Dame, die es “die Depression” nennt. Die Einwohner scheinen sich an die Touristen zu klammern, sehen jetzt, wo sie weg sind, keine Einnahmen mehr und die Stimmung ist in der Tat sehr bedrückend. Wir wundern uns, warum die lieben Menschlein nicht auf die Idee kommen das warme Land um sich herum zu beackern und sich einfach selbst Essen zu machen. Aber nein..wir wollen es ja modern haben und in Städten Videospiele spielen, neue Autos fahren und viel Fernsehen gucken. Es gilt schon wieder : “Jedem Tierchen sein Pläsierchen” ;)

Des Weiteren begrüßt uns etwas, dass uns bis jetzt zum Glück stetig begleitet. Cherimoyas

Kleiner Dämpfer: Dank der “Depression” sind die Menschen hier alles andere als Begeistert von unserer Nachfrage nach zweiter Wahl Obst und Gemüse…

Wir genießen also wenig, aber gute, Cherimoyas, die hier locker zu bezahlen sind und um das (naja wollen wir nicht übertreiben, aber) hundertfache besser schmecken als das, was es da so in der BRD zu kaufen gibt.

Wir genießen das warme Wetter und Strom in den Touristeninformationen und ein paar Kilometer weiter südlich sind die Menschen auch plötzlich wieder besser drauf. Wir zelten in Gräben weil dort das einzige Gras wuchs, in dem sich die Zelt Heringe wohl gefühlt haben..

Kommen wir also zu Teil zwei von “Uns vergeht das Lachen”:
Zeltplätze werden immer schwieriger zu finden. So machen sich beim “unter freiem Himmel schlagen die Mücken über uns her.

Es ist steinig, oder zu schräg. Fahrradwege in dem Sinne gibt es schon lange nicht mehr und an den Straßen, die wir entlangfahren, gibt es entweder Abhänge, Ortschaften oder Felder, die jemandem gehören, dessen Haus unauffindbar ist. Wo liegt das Problem? Naja, irgendwie ist es hier erlaubt zu schießen :D

Wo man hinsieht - Monokultur. Hektarweise Olivenbäume… Wie sich so ein Soldatenbaum wohl fühlt? Wir sind ja immer noch beim vergehenden Lachen. Das passiert uns nun regelmäßig beim Verzehr der örtlichen Früchte. Oh je! So schlechtes Obst und Gemüse haben wir noch nie gegessen.

Hier sollte alles gedeihen, ein Paradies könnte es sein. Stattdessen sehnt man sich auch hier nach “Fortschritt und Wachstum” Die Monokulturen versauen nicht nur den Ausblick sondern auch den Genuss. Wo sind all die wohl schmeckenden Früchte, die es bei uns aus diesen Regionen hier im Bioladen zu kaufen gibt? Hier scheint man nichts für sich zu behalten. Angeboten werden nur riesige “Plastik-Attrappen”. Ob es nun GMO ist oder nicht, verzüchtet ist hier in jedem Falle fast alles. Apfel, Pfirsich oder Gurke gibt es hier nicht. Im Angebot haben wir die Geschmacksorten Klostein, Weichspüler und wenn es gut kommt Wasser. Apropos Wasser.. Wie war das noch mit der perfekten Reisegeschwindigkeit, bei der man sich an alles langsam gewöhnt? Sascha jedenfalls hat das chlorierte Wasser einige Tage lang Bauchschmerzen beschert. Ja, ganz ehrlich.. nur Bauchschmerzen ;) Von Durchfall würden wir euch ganz pflichtbewusst berichten :D

Die kostenlose Essensverpflegung läuft wieder gut, nun heißt es also nur “Wasser kaufen”. Von welchem Verbrecherverein hätten sie denn gern ihr Wasser? Von CocaCola, Danone oder Nestle ? -.- Einige Wässer (die billigsten) scheinen unabhängig zu sein, aber es steht ja bekanntlich nicht immer drauf, was drin ist. Immerhin schmeckt es im Gegensatz zu dem Leitungswasser nicht so als wäre es mit Gummireifen-Raspeln versetzt. Prost.

Tja. Für Rohköstler bis jetzt also nicht unbedingt das Futterparadies aber wir werden satt und bleiben in der Hoffnung in den Ökodörfern kulinarische Erlösung zu finden.

Aber auch der Norden des Landes hält die ein oder andere Überraschung für uns bereit. Gekonnt schickt uns unser Leben nach Girona. Das ist etwas weiter weg von der Küste… Warum wir ins Landesinnere gefahren sind? Keinen blassen Schimmer. Uns war danach. Schaut selbst, warum wir uns immer wieder fragen, ob es nicht vielleicht doch eine riesige Trueman Show ist ;)

Girona: Nach einem extremen Regentag hat uns dieser Ort mit zwei wunderbaren Menschen beschenkt. Sergi und Clara haben uns die zwei Tage unendlich versüßt und gesalzen :) Da hat doch Girona wirklich ein Rohkost Restaurant. Und wir finden es :D Gepriesen sei der “Zufall” !

Unsere Herzen sind schwerer. Weil die beiden nun darin hausen und weil wir uns schon verabschieden müssen. Sogar nächtigen konnten wir im Restaurant. Und noch etwas…irgendwie sprechen die Leute hier gar nicht spanisch… Und irgendwie hängen überall Fahnen mit vier roten Streifen.. Sergi und Clara klären uns auf: Wir sind in Catalunya… Das ist ein Land, welches vor 300 Jahren von Spanien ganz frech übernommen wurde. Die Catalunier hingegen möchten viel lieber frei sein. In der Tat.. hier herrscht eine völlig andere Mentalität, eine andere Kultur und eben sogar eine andere Sprache (Was nicht unbedingt dazu beiträgt, dass wir uns an das bevorstehende spanisch gewöhnen^^) Die Menschen in Catalunya sind ziemlich bemüht für ihre Unabhängigkeit. Kriegt man gar nicht so mit so was, nicht war ? Naja, wir drücken euch die Daumen. Auch wenn es wohl am Ende nicht sehr viel mehr “Freiheit” bedeuten wird. Die Catalunier möchten nämlich auch gerne ein neues EU Land werden. (Weil Spanien angeblich sonst die Grenzen sperren würde) Schade. Von einem Kulturräuber zum nächsten. Wie dem auch sei, wir packen Catalunya gefühlt auf unsere “bereiste Länder-Liste.” Etwas schlauer, satt und ausgeschlafen verlassen wir Girona und sind auf Kurs nach Barcelona. Vielen Dank ihr zwei tollen Seelen :)

Auf dem Weg in diese beachtliche Stadt finden wir wilden Carob. RICHTIG klasse… Schokoladenknabberei umsonst, gesund und massig zum mitnehmen.

In Barcelona dann sind wir noch so angefixt von der Gourmet Rohkost dass wir unserem Warmshower Gastgeber Oriol gleich mal eine Lasagne zaubern. Das war ein Fest =) Das Rezept ist von unseren guten berliner Freunden Rawger und Tanja. Auf ihrer Wesite stellen sie es kostenlos zur Verfügung. Aber Vorsicht! Wenn ihr das probiert, dann wollt ihr tagelang nichts anderes mehr essen ;) www.rawger-arohma.com

Leider können wir nur zwei Tage bleiben und schaffen es einige Erledigungen in der Stadt zu meistern. So gibt es nun z.B. ein Regencape für die Gitarre.

Barcelona ist in der Tat DIE Bio Stadt in Catalunya. Bioläden wo das Auge hinblickt. Haben uns mit Sam und Suzy durch Barcelona geschlängelt, um Gaudis Kunst-Architektur zu bewundern, die la Rambla entlang zu spazieren und den bekannten Markt “La Boqueria” zu begutachten.

Je nach Standpunkt war dieser große Markt entweder ein erfüllender Anblick von reifem und buntestem Obst, zuckrigen Leckereien, Schokoladenkreationen und herrlich Appetit anregenden Dekorationen der Dragonfruit und Feigen. Oder der Schauplatz eines blutrünstigen Gemetzels. Riesenkrabben sterben Schaum spuckend rücklings auf anderen, sich windenden Artgenossen, Hummer zucken verstört auf dem crushed ice, die Scheren zugeklebt. Direkt neben den kandierten Nüssen wird jemandem der Kopf abgeschlagen und Darm wird in der Kühltheke ausgelegt. Sorgfältig geputzt sieht man die Lamellen des leichenweissen Fleisches. Eine Zunge, eine riesige Zunge und ein riesiges Herz, warten darauf gekauft zu werden. Das Restblut, dass sich in den Gehirnwindungen sammelt macht diese erst richtig sichtbar. Zwei Gehirne gibt es im Doppelpack in Plastik zum Mitnehmen. Was ist los mit der Menschheit? Was ist das für ein kurioser Planet…

Fotos haben wir davon keine. Und mit Sicherheit ist das auch gut so.

Der Mangel an Couchsurfs oder Warmshower Angeboten treibt uns stetig weiter nach Süden. Und die Abwesenheit einer guten Zeltbodenqualität lässt uns andere Abenteuer erleben. Ab und an schlummern wir wieder in unserer Hängematte und einige male genießen wir die Nächte am Strand. Was da so schönes geschehen ist, erzählen die Bilder und gleich noch der Can im Video.

Weil wir außer unserer Packliste ziemlich wenig Kram über die Räder schreiben, obwohl wir ja Rad-Reisende sind, gibt’s auch mal dazu news. Die Oberseite der Lenkertasche von Ortlieb ist unter der Last des Navis und des Solar Akkus eingedellt sodass der Display nicht gut zu erkennen ist, weil das Handy einsinkt. Das haben wir nun behoben, indem wir die Tasche mit gefundenen Materialien stabilisiert haben. Jippi, selfmade macht Spaß =)

Nun ja, wir reisen also komplett mit dem Rad, immer noch oft kostenlos mit Essen und komplett kostenlos mit Schlafplätzen versorgt durch die Weltgeschichte. Es ist Oktober und wir schwimmen wild und fröhlich im Meer und lassen uns die Sonne auf die Haare scheinen, denen dank natürlicher Pflege (nichts damit machen) ausschließlich Wasser und Zitrone zum waschen reicht. Das finden wir irgendwie ziemlich krass - Oktober und es ist mächtig warm. Wir sind gespannt wie es weitergeht. Selbst die Polizei sieht hier alles nicht so eng. Schon zweimal wurden wir angeleuchtet und aufgefordert uns zu erklären. Aber wir haben da so einen Leitsatz: “Och nö, wir sind süß, seid mal auch süß.” Bisher hat der ganz wunderbare Wirkung gezeigt :) Wir hoffen auch weiterhin auf Menschlichkeit im herzlichsten Sinne.

So plötzlich wie die Pyrenäen kamen, kommt auch die nächste Grenze… Auf einmal sehen die Straßenschilder doch ganz anders aus.. ja, DAS ist doch spanisch. Wir sind nun also in Spanien. Aus Olivenfeldern werden Mandarinenfelder und es zeigen sich süße Örtchen mit herrlichen Festen. Warum gefeiert wird haben wir nicht verstanden, aber es gab endlos viele Tomaten und schöne Kunst =)

Eine richtige Stimmungsbombe kommt auf, als wir zu unserem länger geplanten Warmshower-Gastgeber bei Valencia einfahren. Es ist schon sehr dunkel und die Stadt funkelt uns von weitem an. Die nächtliche Dunkelheit in Verbindung mit der warmen Luft, die uns umgibt spendet kurz den Eindruck man steige aus dem Flugzeug aus und rein geht’s in den Spanien Urlaub. Was für ein Feeling.

Valencia: Wir werden in der Loft des eigenen Mietshauses empfangen, haben ein eigenes Zimmer und Bad und eine riesige Dachterasse.

Alles nix im Gegensatz zu Jorge und Gemma. Die Zwei sind der Oberwahnsinn. Nicht nur, dass Jorge einen eigenen Fahrradladen namens Bike Center besitzt, nein, Gemma nimmt auch noch Bauchtanzunterricht, sodass die Mädels gemeinsam tanzen gehen und die Jungs die Fahrräder wieder in Schuss bringen. Klischees erfüllen auf höchstem Niveau xD aber auch DAS ist nicht genug, denn wir müssen darüber hinweg kommen, dass wir uns das gewünscht haben. Sascha wünscht sich einige Tage vor Valencia endlich mal wieder einen riesen Spiegelraum zum ordentlich bellydancen und wir brauchen dringend jemanden, der sich auskennt und unsere Schalt-Probleme bei Sam und Suzy zu beheben weiß.. nun haben wir beides.

Jorge und Gemma sind keine Englischexperten aber wir verständigen uns so herrlich, dass jeder Tag hier eine riesen Freude ist! Wir bekommen Valencia gezeigt und werden zum Essen eingeladen.Haben viel Zeit für uns, für Erledigungen und Blog Geschichten.

Außerdem organisiert Jorge kostenlose Stein Heringe für den spanischen Boden und kostenloses Obst von den Obsthändlern, die hier meist Pakistanis sind. Eben diese sind es, die uns neue Obst-Hoffnung geben. Irgendwie gibt es in diesen Läden noch richtig leckeres Obst. Bisher mussten wir zu Mercadona, einer Supermarktkette, die sich offenbar auf extrem leckere Cherimoyas spezialisiert hat. Und auf noch eines.. Einen Slogan, der sich ins Gehirn frisst.. Einmal in dem Laden kommt man summend und pfeifend hinaus.. Da waren ein paar ganz fiese Marketing-Agenten am Werke!

Eine Milliarde Bilder und so viele Videos freuen sich von Euch begutachtet zu werden :) Ihr ahnt ja nicht, um wie vieles länger die letzten beiden Beiträge hätten sein können. Haha.

Es geht uns also gut, wir erwarten gespannt den Winter und freuen uns auf unsere Verabredungen, Einladungen und angepeilten Ziele in Spanien.

AHUH. (So sagt man hier in Valencia Ciao.. Es klingt jedesmal als hielten sich die Valencianer für Spartiaten)

Also.. AHUH ihr lieben und fühlt euch geherzt ♡

Alles Liebe
Can & Sascha

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