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Kolumbien

Es begann, als uns klar wurde, dass wir in Costa Rica nicht bleiben möchten, obwohl das doch SO schön im Internet aussah ;) Befreiend und beflügelnd war unsere tränenüberströmte Entscheidung, nach unserem Praktikum die Rucksäcke zu schnüren und gen Süden zu trampen. Die Sicht war wieder frei und aus irgendeinem Grund waren wir wie euphorisiert. Es erwartet uns etwas… Auch unsere liebe Gitta war restlos überzeugt. Da sie 25 Jahre mit einem Kolumbianer verheiratet war, und gerade ihr Sohn in Kolumbien ist, machte sie alles möglich, sodass wir bei ihrer Familie unterkommen würden. Wie sich immer alles fügt, lässt uns auch nach anderthalb Jahren des Reisens Gänsehaut bekommen. Trampen allerdings war unserer süßen Gitta nichts und so hat sie auch für uns die Flugtickets nach Kolumbien bezahlt. *Verneig

Ein Kurzer Flug über den letzten Schniepel von Mittelamerika und BOOM!!

Du bist in SÜDamerika! Eine völlig andere Welt, ein Kulturschock sondergleichen, eine trockene Hitze, ein Chaos, ein Umsteigen vom einen in den anderen Bus ohne zu wissen warum. Hupen, ein Gebuhle um dich als Kunde, wir werden von den Busfahrern auf der Autobahn abgesetzt und in den nächsten Bus gequetscht, unser Gepäck? Wo war das gleich? Ach, das hat jemand irgendwo unten in den Bus getan, ein bisschen was haben wir am Leibe…Was ist das für grässliche Musik? Warum ist die so laut hier im Bus? …

Einige Stunden später kommen wir in dem kleinen Fischerdorf Taganga an, in dem uns die kolumbianische Familie von Gitta erwartet. Wir bekommen ein kleines Häuschen mit Well-Asbest-Dach zugewiesen und legen uns auf die kühlen Fliesen… Pause..

Gitta nimmt uns auf einen märchenhaften Abendspaziergang durch Taganga mit. Diese Welt ist so absonderlich anders. Leicht erinnert es uns an die Abend-Zeit in Nerja (Spanien). Eines gefällt uns gleich von Anfang an. Die DÄCHER. Es sind Schichten von verflochtenen Palmenblättern, die die Hütten auf natürliche Art und Weise vor Regen schützen. Wie wunderbar! Wo doch natürliche Dächer eine der schwierigsten Fragen beim Hausbau mit Naturmaterialien ist. Geritzt!

Die Lebenslust der Menschen ist wie aus dem Bilderbuche. Fröhliches Getanze, gern gesehene Kunsthandwerke auf der Straße. Schnitz-Arbeiten, Makramé, Malereien und vieles mehr. Die Promenade ist voll von Künstlern und leckeren Früchte-Shake angeboten. Nachdem wir klar gemacht haben, dass wir weder Zucker noch Milch, dafür aber etwas mehr Banane, in unseren Shake wollen und deshalb drauf zahlen dürfen, setzen wir uns auf die große Steinmauer, die den Weg vom Strand trennt. Die Fischerboote dümpeln friedlich hin und her und das Licht Tagangas lässt das Meereswasser bei Nacht, durch die feinen Bucht-Wellen, glitzern.

Die nächsten Wochen verbringen wir also an der Karibikküste und pendeln zwischen Taganga und der Hafenstadt Santa Marta um auf dem Markt Früchte zu holen. Die Busse sind wie kleine Discotheken. Es läuft Tag ein Tag aus Musik. Und auch die Nachbarn drehen gerne auf. Niemand wagt es hier etwas zu sagen, denn es könnte ja sein, er will selbst mal laut Musik hören. Wirklich laut.. Die Hitliste besteht zum großen Teil aus drei Songs, die man also nach kurzer Zeit mitsummen muss. In den Bussen läuft zwischen Schweiß am liebsten Musik mit Akkordeon. Wir finden das verstörend, aber was soll man machen ^^ Eine echte Kultur gibt es allerdings auch noch. Sie lebt in den Herzen der Kogis, die in die Berge verdrängt wurden. Sie tragen ausschließlich weiße, selbstgewebte Klamotten, langes Haar und eine sehr schüchterne Ausstrahlung zur schau.

In Taganga ist es heiß und trocken. Der Sand macht Fegen zum meist-praktizierten Hobby und die Hitze macht uns zu Langschläfern sondergleichen. Wir sind platt.. und unser Geist versucht sich von den Eindrücken in Costa Rica zu sammeln. Wir verbringen viel Zeit an unserer Hütte und nehmen keines der vielfältigen Touristenangebote war, wie etwa Tauchen, Schnorcheln, in Naturschutzparks gehen, andere Städtchen besuchen, Tauchen, Tauchen oder Tauchen..
Stattdessen sitzen wir Tag ein Tag aus auf der Terrasse und trinken eine besondere Sorte Mango. Ja, DAS ist vielleicht ein Schmaus! Man beißt eine kleine Ecke der Mango an, und knetet sie fleißig durch - dann schlürft man sie aus. Ein Hochgenuss!

Kolumbien ist billig. So billig, dass man überlegen kann etwas Land in Kolumbien zu erwerben. Aber bitte nicht ohne Stress.. denn Stress.. das ist hier die oberste Verhaltensregel. Das geht ungefähr so: “Du willst ein Land kaufen? Bist du dir bewusst darüber, dass jederzeit jemand kommen kann und deine Kinder entführt, wenn du nicht zahlst? Dass die Drogenstraßen direkt vorbeiführen? Dass Ausländer entführt werden? Dass dir deine scheiß Kamera geklaut wird, dass du übers Ohr gehauen wirst? Dass “gerade gestern erst wieder” ein Kogi-Paar aus den Bergen erschossen wurde und die Friedensverhandlungen die Guerilla einen feuchten Dreck interessieren?”

Ähm..ja.. danke vielmals. Das ist doch genau das was man hören möchte, nicht war? Wie viel Kraft kann man aufbringen, positiv zu blieben? Ich für meinen Teil bin einige Tage ziemlich eingebrochen und habe aufrecht im Bett gesessen, wenn die Silvesterknaller schon Anfang Dezember hoch gingen. Nach einigen Tagen dann, habe ich sie als Silvesterknaller akzeptiert. Ich dachte nach:

Es leben hier so viele Menschen in Eile aber auch in Weile. Wir lernten einen jungen Mann aus Europa kennen, der sich einige Hektar weiter in den Bergen kaufte und dort mit seiner blonden Frau und seinem hellblonden Kind gut und glücklich lebt. Er sagt er fühlt sich sicher. Ich kam also zu dem Schluss, dass die Menschen, die die Kriegssituation so lange erlebt hatten, ihr Vertrauen verloren und schlicht sehr vorsichtig waren. Eben “dem frieden nicht trauen”.. Und noch etwas hat mich beschäftigt. Die Drogen. Ich erinnerte mich an alle Geschichten von aufgeschlitzten Club-Besitzerinnen oder erschossenen Vätern. Was hatten sie alle gemeinsam? Richtig. Sie hatten mit Drogen zu schaffen. Sie nahmen sie, verkauften sie oder ließen es in ihren Räumlichkeiten zu.
All diese Seelen in Ehre. Doch ich glaube daran, dass auch in einem Land wie Kolumbien die “Drogensache” geflissentlich an einem vorbeizieht, wenn man damit schlichtweg nichts zu schaffen hat. Für jeden, der sich also günstig Land kaufen möchte, sei gesagt - Kolumbien ist wunder, wunderschön und im Gegensatz zu Costa Rica sehr bezahlbar. Auch der ehemalige Mann von Gitta hat evtl nicht Unrecht, wenn er sagt: “Mein Kolumbien ist das schönste Land der Welt”.. Auch unserer Meinung nach, wenn man nur die Landschaft in Betracht zieht, eine durchaus interessante Aussage.

Wir sind also mit unserem üblichen Frohsinn durch die Straßen geschlendert, haben es zwar vermieden unsere Kamera mitzunehmen (weswegen es auch keine Bilder gibt. Klasse oder? :D Haha) sind aber generell sehr aufgeschlossen allem gegenüber gewesen. Selbstverständlich ist es für uns, trotz Partnerlook-Touristen-like Rucksäcken reibungslos verlaufen. Dazu kommt, dass wir meistens mit der Sonne/Nacht zumindest zu Hause, oder auch schon im Bett sind. Auf der ganzen Reise hört man von Überfällen auf Touristen. Wann? Na Nachts… Ein Grund mehr, den Naturschlaf zu fördern ihr Lieben. Ohne teure und unnötige Bar-besuche ersparen wir uns die Folgen von einem unnatürlichen Lebensstil. Es zeigt sich immer mehr - in so vielen Lebensbereichen dürfen die Menschen umdenken.

Dennoch stimmte mich die ganze Sache mit den Drogen sehr traurig. Es war uns kaum möglich Obst zu holen ohne dass der Marktverkäufer gleich hastig eine Tüte abriss und alles hineinstopfte was wir nur im entferntesten ansahen. Moment mal.. wir schauen doch nur .. (abgesehen davon, dass wir unser Obst ja selbst 10 mal drehen und wenden, bevor wir es kaufen. hehe) … Mit aufgerissenen Augen schrie man uns an, in den Bus zu steigen, mehr Obst zu kaufen, diesen Weg zu nehmen und so weiter und so fort.

Wir waren froh in Taganga unsere kleine Hütte zu haben, wo wir unsere Pläne für die Weiterreise schmieden sollten. Kolumbien hat uns nicht gefesselt.

Es gab einen Ort, der uns eventuell hätte festhalten können. Der “Paso del Mango”, den wir mit Gita und ihrem Sohn besichtigt haben. Ein Fluss, einige Wasserfälle.. ein Traum! Definitiv sehens- und erlebenswert. Die großen Bäume des Regenwaldes haben uns vor der Sonne geschützt, das glasklare Wasser schmeckte köstlich und nur der Anblick der wirbelnden Strudel war heilend angenehm. Eine wunderschöne Flora breitete sich vor, neben und hinter uns aus und ließ uns vergessen, dass es ein paar Kilometer weiter so etwas wie eine “moderne Stadt” gibt.

Durch unseren Glauben an den Frieden, auch in Kolumbien, hätten wir es uns dort auch etwas gemütlicher machen können. Warum wir es nicht getan haben? Wer weiß das schon. Es kam dieses Gefühl wieder.. das uns nach Süden zieht. Ein inneres Wissen, eine Rastlosigkeit. Und auch das Leben hatte so seine Pläne für uns.

Was wir in Kolumbien ENTlernt haben: Mit Decke zu schlafen und auch nur ansatzweise so auszusehen als hätte man Geld in der Tasche.

Was wir in Kolumbien GElernt haben: Rohkost erfolgreich in der Sonne zu dehydrieren, jeden Tag Wasser zu schleppen und.. oh, hallo, immer noch Skorpione, wenn man nachts auf Klo will..

Ach ja, wir haben uns in Kolumbien ein Aushilfshandy besorgt, das die Ehre hatte ein verpixeltes Abschiedsbild von Taganga aufzunehmen. Bitteschön:

Mit viel Liebe und Dankbarkeit denken wir an den Monat in Kolumbien. Auch du, liebes Kolumbien wirst bald voll mit Menschen sein, die dich in Liebe berühren. So sei es.

Bis zum nächsten mal ihr Lieben.

Küsschen in die weite Welt
Can & Sascha

By Sascha

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